„Nebenquests, die jede Hauptstory anderer RPGs alt aussehen lassen“
Das Spiel
The Witcher 3 versetzt einen in die Rolle von Geralt von Riva, einem für Geld jagenden Hexer, der quer über einen kriegszerrütteten Kontinent nach seiner Ziehtochter Ciri sucht. Zwischen den Sümpfen von Velen, der Handelsstadt Novigrad und den Inseln von Skellige nimmt man Monsterkontrakte an, mischt Schwertkampf mit fünf Zeichenzaubern und entscheidet in Dialogen über den Ausgang ganzer Questreihen. Das Kartenspiel Gwent läuft als eigenständige Beschäftigung nebenher. Die beiden Erweiterungen Hearts of Stone und Blood and Wine bauen den Umfang um zwei vollwertige Geschichten aus. Ein Next-Gen-Update hat Optik und Technik nachträglich überarbeitet.
Fazit
Über elf Jahre nach Release schreibt kaum ein Open-World-RPG Nebenquests, die so oft besser sind als die Hauptgeschichten der Konkurrenz. Geralts Suche nach Ciri und die Frage, ob man Yennefer oder Triss vertraut, tragen über hunderte Stunden, weil hier echte Figuren statt Romanzen-Menüpunkte stehen. Der Kampf bleibt der Streitpunkt: Wenn das Zusammenspiel aus Aard, Yrden und ausweichendem Tänzeln sitzt, fühlt es sich rund an, davor wirkt es hakelig und das Lock-on widerspenstig. Dazu kommen eine umständliche UI und Bugs, die nach all den Jahren immer noch auftauchen. Das ändert nichts daran, dass die Welt und ihr Erzählhandwerk den Maßstab setzen, an dem sich das Genre weiter misst.
Gefällt dir, wenn …
- +du in Nebenquests mit moralisch unklarem Ausgang versinken willst
- +dir dichtes Worldbuilding und glaubwürdige Figuren wichtiger sind als reaktionsschneller Kampf
- +du eine Open World magst, die zum Entdecken statt zum Abhaken einlädt
Nichts für dich, wenn …
- −dir präzises, modernes Kampfgefühl über alles geht
- −dich klobige Menüs und ein unübersichtliches Inventar schnell nerven
- −du nach kurzen Sessions ohne langen Erzählbogen suchst
Wertung
- +Das Zusammenspiel aus Zeichen und Schwertkampf wird belohnend, sobald man Aard- und Yrden-Timing verinnerlicht hat
- +Zugänglicher als die Souls-Vergleiche, die viele Reviews ziehen, ohne den Spieler abzustrafen
- −Das Lock-on greift unzuverlässig und lässt Geralt in Gruppenkämpfen ins Leere schlagen
- −Angriffsmuster wirken repetitiv und das Kampfgefühl gilt vielen als veraltet
- −Das Reiten auf Plötze steuert sich hakelig
- +Nebenquests erzählen eigene kleine Geschichten und übertreffen oft die Hauptstränge anderer Spiele
- +Entscheidungen ziehen spürbare Folgen nach sich und führen zu mehreren Enden
- +Hearts of Stone und Blood and Wine sind vollwertige Erweiterungen, kein Häppchen-DLC
- +New Game Plus und die schiere Questdichte tragen über hunderte Stunden
- −Die Menge an Aufgaben und Fragezeichen kann auf Dauer erschlagen
- +Geralts Suche nach Ciri gehört zu den am stärksten emotional aufgeladenen Geschichten im Genre
- +Yennefer und Triss sind als Figuren geschrieben, nicht als austauschbare Romanzenoptionen
- +Die Questreihe um den Blutigen Baron verknüpft moralische Grautöne mit echten Konsequenzen
- +Auch Neueinsteiger ohne Vorwissen finden problemlos in die Welt
- −Die Vertonung trifft selten daneben, fällt aber in einzelnen Szenen gegen die Musik ab
- +Art Direction und Atmosphäre der drei Regionen tragen das Spiel optisch über ein Jahrzehnt
- +Der Soundtrack untermalt Velen, Novigrad und Skellige jeweils eigenständig
- +Das Next-Gen-Update frischt Optik und Effekte spürbar auf
- −Die Lautstärkebalance drückt die Musik in einzelnen Dialogszenen über die Stimmen
- −Das Next-Gen-Update führt bei manchen zu Abstürzen
- +Der Einstieg gelingt auch ohne Kenntnis der Vorgänger oder der Buchvorlage
- −Die UI gilt vielen als unübersichtlich und umständlich
- −Bugs und Abstürze tauchen auch nach elf Jahren noch auf
- −Die neuen Systemanforderungen sperren das Spiel hinter Windows 11 und verärgern Altkäufer
- −Geänderte EULA-Bedingungen sorgen für Misstrauen gegenüber dem Entwickler
Wertung