„Orks wie Wasser: gute Idee, viel zu dünn gestreut“
Das Spiel
Sir, We Have an Orc Problem ist Tower Defense mit einem Einschlag von Incremental-Spiel: Orkwellen strömen über feste Pfade, und wer sie tötet, finanziert damit seine Türme, die man dann aufwertet, bis die Zahlen endlich zu den eigenen Gunsten kippen. Der eigentliche Reiz liegt in der Physik. Die Orks verhalten sich wie eine Flüssigkeit, zu Zehntausenden stauen sie sich und fließen um Hindernisse, und so wird das Platzieren der Türme zur Kunst, diese Masse in tödliche Korridore zu lenken. Acht Turmtypen decken das übliche Spektrum ab, von Schützen und Flammenwerfern über Teslas und Mörser bis zur Atombombe, und ein großer Upgrade-Baum speist Werteboni in sie zurück. Zwölf Level gibt es, und die meisten Spieler haben alles inklusive Errungenschaften in deutlich unter zehn Stunden durch.
Fazit
In der Art, wie diese Orks wie Wasser fließen, steckt ein kluges Spiel, und einen Korridor zu bauen, der einer Welle endlich standhält, ist die ersten paar Male ein befriedigender Kniff. Das Problem: Das Spiel verlangt immer wieder denselben Kniff. Der Upgrade-Baum verspricht eine Tiefe, die er nie einlöst, der Schwierigkeitsgrad steigt über nackte Zahlen statt über neue Probleme, und nach vier bis sechs Stunden läuft der Abspann, hinter dem nichts mehr kommt. Für 8,99 Euro ist das ein ordentliches Wochenende, und ein Workshop oder Level-Editor würde die Rechnung verändern, doch so wie es erscheint, ist die gute Idee zu dünn gestreut.
Gefällt dir, wenn …
- +Du ein günstiges Tower Defense willst, das an ein, zwei Abenden durch ist.
- +Zuzusehen, wie eine flüssige Horde an einem gut gesetzten Engpass zerschellt, ist dir Belohnung genug.
- +Es dich nicht stört, Level zu grinden, um Upgrade-Punkte anzusparen.
Nichts für dich, wenn …
- −Du von einem Incremental erwartest, dass es über Dutzende Stunden immer neue Systeme entfaltet.
- −Upgrade-Bäume voller +1-Schaden-Knoten dich langweilen.
- −Du Gegnervielfalt und taktische Überraschungen statt eines immer gleichen Musters willst.
Wertung
- +Die Orks bewegen sich als flüssige Masse, und ihren Strom in einen Engpass zu formen und dort den Schaden zu bündeln, fühlt sich wirklich gut an.
- +Wenn ein tödlicher Korridor endlich einer Welle standhält, die Minuten zuvor noch durchgebrochen ist, funktioniert die Spielschleife genau so, wie sie soll.
- +Selbst wenn die Horde auf Zehntausende anschwillt, bleibt die Physik überschaubar.
- −Der Schwierigkeitsgrad wächst über Werte statt über neue taktische Probleme. Spätere Level verlangen deshalb Grinding, kein Umdenken.
- −Der Weg zum Sieg ändert sich kaum: den ersten Engpass finden, ihn mit Türmen zupflastern, warten.
- −Level immer wieder zu spielen, um genug Upgrade-Punkte anzusparen, nutzt sich schnell ab.
- +Acht Türme bieten früh genug Abwechslung zum Experimentieren.
- −Der Upgrade-Baum wirkt riesig, doch die meisten Knoten bringen nur +1 Schaden oder +0,2 Feuerrate, weshalb Entscheidungen kaum Gewicht haben.
- −Kaum Gegnervielfalt, keine Wechselwirkungen zwischen den Waffen. Die Strategie schrumpft so auf ein einziges, immer gleiches Muster.
- −Das komplette Spiel samt Errungenschaften liegt bei vier bis sechs Stunden, danach wartet nichts mehr.
- −Es gibt weder einen Endlosmodus noch ein Endgame mit unbegrenzten Upgrades für alle, die mehr wollen.
- +Die Orkinvasion als Rahmen und der trockene Titel schlagen einen leichten Ton an, der zu den Mechaniken passt.
- −Eine Geschichte gibt es überhaupt nicht, und mindestens einem Spieler fehlte ein Abschluss, der alles zusammenführt.
- +Der reduzierte Grafikstil hält das Bild auch bei riesigen Einheitenzahlen lesbar.
- +Selbst mit 40.000 Einheiten auf dem Bildschirm bleibt die Leistung stabil, ohne Ruckler.
- −Grafik und Menüs wirken spartanisch, mehrere Spieler nennen sie billig oder unfertig.
- −Der Soundtrack wiederholt sich etwa alle 30 Sekunden und nervt schnell.
- −Bloom und aufblitzende Lichter erschweren manchen Spielern die Sicht.
- +Läuft flüssig, gemeldete Abstürze oder größere Bugs gibt es keine.
- +Menüführung und Ladezeiten geben keinen Anlass zur Klage.
- −Zieht man einen Turm an eine neue Position, wird das gelegentlich nicht erkannt.
Wertung