„Bergen bei schwindendem Sauerstoff: großartig, wenn nichts abstürzt“
Das Spiel
Ostranauts setzt euch als lizenzierten Schrottsammler in eine zerfallende Sonnensystem-Wirtschaft: fünftausend Credits Schulden, dazu eine einzige Bergungslizenz. Mit einem zusammengeschusterten Schiff fliegt ihr auf einen Friedhof verlassener Wracks, zerlegt sie in Einzelteile und entscheidet dann, ob ihr die Beute an den eigenen Rumpf schweißt, sie für Treibstoff und Luft verkauft oder gegen eure Schulden verrechnet. Jedes Schiff ist eine funktionierende Maschine aus Sauerstoff- und Stickstoffgemischen, Reaktorlasten, Stromverteilung und Verkabelung, die ihr allesamt von Hand aus der Draufsicht steuert. Der Tod ist endgültig, und zur Unterstützung könnt ihr NPC-Crew anheuern. Story-Missionen gibt es zwar, doch sie bleiben dünn. Das meiste entsteht aus der Sandbox und euren eigenen Fehlern.
Fazit
Ostranauts will die Weltraum-Lebenssimulation sein, in der ihr nach eigenen Regeln baut, bergt und langsam erstickt. Spielen die Systeme mit, liefert es genau das, mit Texten und einer Atmosphäre, die wenige Simulationen erreichen. Das Problem ist, wie oft sie eben nicht mitspielen: eine Crew-KI, der ihr nicht trauen könnt, fehlende Automatisierung und Bugs, die Speicherstände zerstören, in die ihr Dutzende Stunden gesteckt habt. Das eine fertige 1.0 zu nennen, ist großzügig, und viele Käufer sagen genau das. Für Geduldige steckt hier ein bemerkenswertes Spiel, doch es verlangt, dass ihr hinnehmt, wie die Maschine rundum auseinanderfällt.
Gefällt dir, wenn …
- +Ihr wollt eine Hard-Sci-Fi-Sandbox, in der eure eigenen Fehler die Geschichte schreiben.
- +Ihr lernt gern sperrige, undokumentierte Systeme, bis sie endlich Sinn ergeben.
- +Die manuelle Arbeit an Atmosphäre, Strom und Bergung fühlt sich für euch wie Immersion an.
Nichts für dich, wenn …
- −Ihr erwartet eine Crew, an die ihr delegieren könnt, und eine Automatisierung, die euch Arbeit abnimmt.
- −Ein Bug, der nach einem langen Run den Spielstand löscht, würde euch das Ganze vergällen.
- −Ihr wollt gestaltete Missionen und eine klare Einführung statt emergentem Chaos.
Wertung
- +Die Bergungsschleife hat echtes Gewicht: Ein Wrack aufschneiden, zusehen, wie die Atmosphäre entweicht, und entscheiden, was ihr ausbaut, bevor euch selbst die Luft ausgeht.
- +Durch den Permadeath zählt jede Dekompression und jede Fehleinschätzung am Reaktor.
- +Weil ihr euer Schiff selbst baut und neu verkabelt, gehört euch die Maschine, die ihr fliegt, tatsächlich.
- −Die Crew-KI versagt so häufig, dass Spieler berichten, alles selbst zu erledigen sei sicherer, als Befehle zu erteilen.
- −Fast jedes System muss man von Hand umschalten, weshalb sich Routineaufgaben zu ständigem Mikromanagement türmen.
- −Fallen mitten im Run grundlegende Funktionen aus, wird aus der beabsichtigten Spannung bloße Beschäftigungstherapie.
- +Ihr könnt euch aufs Bergen, Handeln, Kampffliegen, die Crew-Führung oder den kompletten Schiffsbau verlegen, und jeder Weg bietet Hunderte Stunden.
- +Atmosphäre, Strom und Reaktor greifen so ineinander, dass es sich lohnt, sie zu durchschauen.
- +Die verschleierten Mechaniken werden selbst zum Reiz, sobald bei den grabewilligen Spielern der Groschen fällt.
- −Automatisierung fehlt praktisch völlig, was begrenzt, wie weit das Endgame skalieren kann, bevor es zur reinen Fleißarbeit wird.
- −Die NPC-Interaktionen sind starr und eng abgesteckt, was die Crew- und Sozialebene einschränkt.
- +Das Hard-Sci-Fi-Szenario und die dystopische Welt treffen mit voller Wucht; Rezensenten heben besonders die Atmosphäre und die Texte hervor.
- +Am stärksten sind die Geschichten, die von selbst entstehen: Eine misslungene Bergung oder ein langsames Ersticken wird zu eurer eigenen Noir-Tragödie.
- +Musik und Grafik stützen stimmig das Gefühl, sich am untersten Rand des Systems durchzuschlagen.
- −Vorgeschriebene Story-Missionen sind rar gesät, weshalb Spieler, die einen erzählten Plot statt selbstgemachtem Drama wollen, wenig bekommen.
- +Die schmuddelige Konsolen-Optik aus Reglern, Schaltern und abgenutzten Panels passt gut zur Welt.
- +Sounddesign und Soundtrack kommen durchweg gut an.
- +Die Performance ist bei den meisten Spielern stabil.
- −Das Pixelgewühl auf den Schiffsböden macht es schwer, Verwertbares von Müll zu unterscheiden.
- −Manchen ist der Mix aus Grafikstilen und die überladene UI in komplexen Innenräumen schlicht zu unübersichtlich.
- +Die rauen Kanten passen gut genug zum Thema, dass manche Spieler darüber hinwegsehen.
- +Ladezeiten und Abstürze ziehen weniger Klagen auf sich als die übrigen Mängel.
- −Immer wieder werden Bugs gemeldet, die Speicherstände zerstören und lange Runs auslöschen.
- −Die KI-Wegfindung bricht zusammen, und Charaktere sterben an Glitches statt an Entscheidungen.
- −Das Tutorial macht die Lernkurve steiler, als sie sein müsste.
- −Viele Rezensenten urteilen, der 1.0-Release sei mindestens ein halbes Jahr zu früh erschienen.
Wertung