„Larians taktisches Meisterwerk lebt von seinen Systemen, nicht von DnD-Regeln“
Das Spiel
Divinity: Original Sin 2 - Definitive Edition ist ein rundenbasiertes Fantasy-RPG, in dem ihr eine Gruppe von bis zu vier Charakteren durch eine Geschichte voller politischer Intrigen und persönlicher Konflikte führt. Im Kern verbringt ihr die meiste Zeit damit, taktische Kämpfe auf Hexfeld-Gittern zu navigieren, dabei Umgebungselemente wie Feuer und Eis geschickt einzusetzen und die Fähigkeiten eurer Partymitglieder zu kombinieren. Zwischen den Kämpfen erkundet ihr eine offene Welt, löst Rätsel, sammelt Ausrüstung und trefft Entscheidungen, die bestimmen, wie eurer Charaktere untereinander und mit der Welt interagieren. Alles zielt darauf ab, die letzte Quest zu erreichen und einen von euch zum Gott zu erheben.
Fazit
Original Sin 2 ist der Beweis, dass Larian ohne das Korsett des DnD-Regelwerks am freiesten aufspielt. Das Kampfsystem aus Aktionspunkten, zwei Rüstungstypen und einem reaktiven Elementarsystem erzeugt eine Tiefe, die selbst nach hunderten Stunden noch überrascht. Der schwache vierte Akt und die ruppige Lernkurve halten es vom perfekten Score ab, aber als taktisches Rollenspiel spielt es in der absoluten Oberliga.
Gefällt dir, wenn …
- +ihr Gegner von Klippen teleportiert und das Spielfeld zweckentfremdet, statt Rotationen abzuspulen
- +ihr euch auf hundert Stunden plus Wiederholungsläufe mit frei kombinierten Builds einlasst
- +ihr Kämpfe als taktische Rätsel angeht
Nichts für dich, wenn …
- −ihr eine gleichmäßige Lernkurve ohne Guide erwartet
- −ihr das Spiel vor allem im Koop erleben wollt
- −ihr Dialogoptionen wollt, die wirklich verzweigen statt dasselbe anders zu sagen
Wertung
- +Elementar- und Rüstungssystem erzeugt echte emergente Taktik statt auswendig gelernter Rotationen
- +Aktionspunkte, physische und magische Rüstung sowie reaktives Spielfeld ermöglichen Szenarien, die das Spiel selbst nicht vorhersehen kann
- +Hexfeld-Kämpfe belohnen kreatives Umweltnutzung, etwa das Teleportieren von Gegnern zur Trennung von Verbündeten
- −Steile, ungleichmäßige Schwierigkeitssprünge schrecken Genre-Neulinge ohne Guide ab
- −Akt 4 setzt auf Gimmick-Kämpfe und Turn-One-Wipes, die Metawissen und Reload-Cheese belohnen
- +Vier Origin-Charaktere mit frei kombinierbaren Builds ohne Klassenzwang
- +Quests mit mehreren Lösungswegen laden zum zweiten Durchgang ein
- +Hundert Stunden dichtes Rollenspiel plus optionale Wiederholungsläufe für 45 Euro
- −Ein kompletter Run kostet schnell über 100 Stunden, was die Bereitschaft zum sofortigen Neustart bremst
- +Larians Worldbuilding zieht in seinen Bann
- +Charaktere wie der Red Prince hinterlassen bleibende Eindrücke
- +Vertonung durchweg stark und herausragend
- −Viele Dialogoptionen sind am Ende nur unterschiedliche Wege, dasselbe zu sagen
- −Das Finale wirkt sichtbar gehetzt und löst den narrativen Aufbau nicht ein
- +Isometrische Welt ist liebevoll und detailreich
- −Hält sichtbar nicht mit den Cinematics von Baldur's Gate 3 mit
- −Koop ist bis heute eine Wundertüte aus Desyncs und Abstürzen
- −Fehlender Komfort wie vernünftige Questverfolgung, den erst BG3 nachreichte
Wertung