Baldur's Gate 3
„Die Sandbox, die jeden Run zu deiner Geschichte macht"
Fazit
Baldur's Gate 3 verkauft dir keine Geschichte, es lässt dich eine bauen. Die Kombination aus 5e-Regelwerk, ehrlicher Entscheidungsfreiheit und Begleitern, die sich wie Menschen anfühlen, erzeugt einen Sog, der nach 100 Stunden nicht nachlässt. Akt 3 verliert spürbar an Form, aber das ändert nichts daran, dass dieses RPG die Messlatte ist, an der sich der Rest des Genres jahrelang messen lassen muss.
Stärken
- +Entscheidungen haben echte, verzweigte Konsequenzen statt kosmetischer Dialogvarianten
- +Begleiter mit eigenen Motiven, Geschichten und Reaktionen, die emotional binden
- +Riesige Build- und Klassenvielfalt plus Mod-Support sorgt für enormen Wiederspielwert
Schwächen
- −Akt 3 leidet unter Performance-Problemen und überladenen, sich ziehenden Quests
- −Bugs und buggy Trigger besonders bei unkonventionellen Rollenspielwegen (Dark Urge, exotische Rassen)
- −Dialogsystem ist nicht für Multiplayer-Gruppen mit mehreren Custom-Charakteren ausgelegt
Scores
Das 5e-Regelwerk wird nicht stur kopiert, sondern fürs Medium angepasst, und die Umgebungsinteraktion eröffnet ständig neue Lösungswege. Wer das System einmal verinnerlicht hat, verwandelt jedes Gefecht in ein taktisches Labor voller Was-wäre-wenn-Momente.
Klassen, Herkünfte, Origin-Charaktere und der Dark-Urge-Pfad ergeben grundverschiedene Durchgänge, und der Mod-Support legt nochmal nach. Fast jeder Spieler berichtet von völlig anderen Erlebnissen als die anderen.
Technisch über weite Strecken beeindruckend, aber Akt 3 fällt mit Performance und buggy Triggern ab, und wer abseits des vorgesehenen Pfades spielt, stößt regelmäßig auf Probleme. Zwei Jahre nach Release ist das noch immer ein Thema.
Faerûn lebt durch moralisch verschachtelte Konflikte ohne klare Gut-Böse-Linie und durch Begleiter, die mehr sind als Quest-Anhängsel. Das Schreiben trägt das Spiel, ohne dass es das müsste, weil das Gameplay schon steht.
Durchgängige Vertonung mit starkem Voice Acting, das den Figuren erst ihr Gewicht gibt. Selbst Kritiker, die das Kampfsystem ablehnen, heben den Ton hervor.
Kein technisches Schaufenster, aber stimmungsvoll inszeniert und detailverliebt genug, dass selbst der Nachfolger-Vergleich aus der Branche BG3 als Messlatte nennt. Larian setzt auf Atmosphäre statt reine Fidelity.
60 Euro für ein Spiel, in dem Spieler 100 Stunden brauchen und noch in Akt 1 stecken. Drei Akte, die sich jeweils wie ein komplettes Spiel anfühlen, machen den Preis fast schon zur Ironie.