„Jeder Meter tiefer ist eine Wette gegen den Sauerstoff“
Das Spiel
DIVE or DIE - Children of Rain lebt von zwei Hälften. Unten im verfluchten Abgrund schwimmst du, durchsuchst Wracks und leuchtende organische Masse und behältst die Sauerstoffanzeige im Blick, während unheimliche Kreaturen näher kommen. An der Oberfläche führst du ein Lager: Du baust eine Werkstatt aus, wirbst Überlebende an und entscheidest, wer den Götzen geopfert wird, während die Flut heranrückt. Ein Kalender aus Tag und Datum drängt dich, weiter abzutauchen, bevor der schwarze Regen kommt, und jeder Tauchgang ist eine Wette darauf, wie tief du dich traust, bevor du umkehrst. Der Kampf setzt mehr auf Ausweichen als aufs Zuschlagen, und es gibt die Modi Normal, Schwer und Endlos sowie mehrere Enden.
Fazit
DIVE or DIE trifft den entscheidenden Punkt. Der Tauchgang ist ein angespanntes Feilschen mit deiner Sauerstoffanzeige, und das Lager gibt jedem Abstieg einen Grund und einen Preis. Doch der Kampf ist letztlich nur Ausweichen, der Abgrund hört auf zu überraschen, sobald du ihn kartiert hast, und die Abstürze, die deinen Loot verschlingen, machen aus einer guten Sitzung schnell Frust. Ein selbstbewusster, atmosphärischer Erstling, der mit mehr Gegnern, einer wechselnden Karte und einem Stabilitäts-Durchgang eine ganze Stufe höher stünde. Der Abstieg lohnt sich, wenn du wegen des Horrors hier bist.
Gefällt dir, wenn …
- +Du thalassophobisches Grauen und den langsamen Nervenkitzel der Entscheidung willst, wann du auftauchst.
- +Du verbindest gern eine riskante Expeditionsschleife mit einem Lager, das du zwischen den Ausflügen wieder aufbaust.
- +Atmosphäre und eine Erzählerstimme zählen dir mehr als ein tiefes Kampfsystem.
Nichts für dich, wenn …
- −Du einen Kampf mit echtem Biss statt bloßem Ausweichen willst.
- −Fortschritt an einen Absturz mitten im Run zu verlieren, würde dir alles vermiesen.
- −Du Abwechslung zwischen den Runs brauchst, und eine feste Karte nimmt dir jeden Wiederspielwert.
Wertung
- +Das Push-your-Luck eines Tauchgangs geht voll auf: Jeder Meter tiefer ist eine Wette gegen deinen Sauerstoff und deine Nerven.
- +Schwimmen und Angreifen fühlen sich flüssig an, nah an der Steuerung von Dave the Diver.
- +Du lernst die Vorzeichen einer Kreatur, gleitest an ihr vorbei in Gewässer voller schlimmerer Exemplare, und so stellt sich die Spannung immer wieder neu her.
- −Der Kampf ist dünn. Meist weichst du Monstern aus, statt Schläge mit ihnen zu tauschen.
- −Die Gegnervielfalt versiegt, und das Aufgebot wiederholt sich, bevor es der Abgrund tut.
- −Im Endgame flacht der Schwierigkeitsgrad ab, sobald deine Ausrüstung den Bedrohungen davonzieht, und Tauchgänge werden zum Farmen.
- +Charaktereigenschaften verändern, wie gut sich Überlebende schlagen und wen zu opfern lohnt. Das gibt der Rekrutierung Gewicht.
- +Werkstatt-Upgrades und die Lagerwirtschaft verleihen der Oberflächen-Hälfte echte Entscheidungen.
- +Mehrere Enden und ein Endlos-Modus belohnen alle, die weitermachen wollen.
- −Die Karte ist statisch. Kreaturen und Items sind kaum anders platziert, also wiederholt ein zweiter Run bloß den ersten.
- −Bist du erst überlegen, verliert die Schleife ihr Risiko, und das Endgame verkommt zum mechanischen Absammeln.
- +Jacks Erzählstimme trägt die Hauptlast und verleiht dem Horror emotionale Tiefe.
- +Die Umgebungserzählung und die Prämisse vom schwarzen Regen erzeugen echtes kosmisches Grauen.
- −Die zentrale Geschichte bleibt spärlich, und das Ende löst nicht ein, was es aufbaut.
- −Die Erinnerungsstücke der Figuren wirken wie Füllmaterial: 'Ein Andenken an bessere Zeiten' und andere vage Zeilen, die nichts beitragen.
- +Kreaturendesign und Art Direction verkaufen den Tiefsee-Horror überzeugend.
- +Das Sounddesign trägt die Spannung eines Abstiegs und legt Druck auf jeden Tauchgang.
- −Der Soundtrack läuft in Schleife und nutzt sich über eine lange Sitzung ab.
- −Der 3D-Ton zum Orten von Kreaturen ist ungenau, sodass du nicht immer weißt, was von wo kommt.
- +Die grundlegende Steuerung und die Oberfläche der Basisverwaltung sind aufgeräumt und gut lesbar.
- +Ressourcenverwaltung und Werkstattmenüs gehen dir nicht in die Quere.
- −Keine Tauchkarte im Spiel. Du prägst dir Routen vorab im Bibliotheksmenü ein, sonst verirrst du dich.
- −Abstürze mitten im Tauchgang können den Bildschirm schwarz schalten und den gerade erbeuteten Loot löschen.
- −Bei manchen Spielern werden Textzeichenfolgen falsch dargestellt, und zu versteckten Items gibt es kaum Hinweise.
Wertung