„Mord im U-Boot: klüger als alles davor“
Das Spiel
Ein Locked-Room-Mord an Bord eines U-Boots: Kapitän Mortuga liegt tot neben einem uralten Kessel, und seine ganze Crew hat Gründe zu lügen. Man steuert das Detektiv-Duo Sally und Grimoire durch ein handgezeichnetes Point-and-Click, sammelt Hinweise, dreht und untersucht Beweismodelle in 3D und verhört jeden an Bord. Weiterzukommen heißt, Beweise gegen Widersprüche in den Aussagen zu halten und eigenständige Logikrätsel zu lösen, die den Weg durch die Geschichte freischalten. Es ist der jüngste Teil der Detective-Grimoire-Reihe von SFB Games und folgt auf Tangle Tower.
Fazit
The Mermaid Mask ist eine jener seltenen Fortsetzungen, die ihren Vorgänger an fast allen Fronten schärfen, vom souveränen Finale bis zu Beweisen, die man in den eigenen Händen wenden kann. Die Rätsel gehen mit deiner Zeit respektvoll um, die Texte sind komisch, wo sie es sein sollen, und spannend, wo es darauf ankommt. Grafik und Sprachausgabe tragen ganze Szenen von allein. Etwas Boden verliert das Spiel dort, wo die Handlung auf Geheimnisse deutet, die sie nie ganz auflöst. Ein Fortschritts-Bug und wacklige nicht-englische Übersetzungen können zudem eine Minderheit von Spielern ins Stolpern bringen. Fans der Reihe müssen nicht zögern, und wer neu in Detektiv-Adventures ist, findet kaum einen besseren Einstieg.
Gefällt dir, wenn …
- +du einen fairen Kriminalfall willst, der zum Nachdenken zwingt, ohne in abstruser Mondlogik zu enden
- +du Tangle Tower oder der Detective-Grimoire-Reihe gefolgt bist und die Anspielungen wiederfinden willst
- +du eine Szene gern anhältst, nur um Grafik und Musik auf dich wirken zu lassen
Nichts für dich, wenn …
- −du jeden Handlungsstrang aufgelöst brauchst und einen Krimi verabscheust, der Fragen aufwirft und sie unbeantwortet lässt
- −du langfristigen Wiederspielwert oder offene Systeme statt eines kompakten, weitgehend linearen Falls willst
- −du auf eine nicht-englische Übersetzung angewiesen bist und keine holprige Lokalisierung erträgst
Wertung
- +Die Rätsel treffen genau den richtigen Punkt: Selbst ungeduldige Spieler lösen sie nach eigener Aussage ohne Frust, gefordert wird man trotzdem.
- +Der Rhythmus aus Hinweise sammeln und Verdächtige konfrontieren bleibt über die gesamte Ermittlung hinweg gut austariert.
- +Beweise in 3D zu drehen und zu untersuchen, fügt einen handfesten Schritt hinzu, der etwas bedeutet und nicht bloß Bildschirme füllt.
- −Der Kriminalfall ist bewusst verschachtelt. Wer klar ausgeschilderte Schlussfolgerungen bevorzugt, dem geraten manche Gedankensprünge zu locker.
- +Jede Figur reagiert vertont und individuell auf jedes Beweisstück, auch auf solche, von denen sie nichts weiß. Das belohnt es, wilde Kombinationen durchzuprobieren.
- +Verborgene Beweise tauchen nur auf, wenn man die richtigen Fragen stellt. Gründliche Spieler finden also mehr.
- +Querverweise auf frühere Teile lassen Reihen-Fans Stammbäume und Hintergründe über mehrere Titel hinweg rekonstruieren.
- −Der Fall ist eher kurz und weitgehend linear, keine systemische Sandbox. Wiederspielwert entsteht daher aus der Suche nach Hintergründen, nicht aus neuen Ausgängen.
- +Der zentrale Fall ist größer und verwickelter als der in Tangle Tower, und das Finale löst ihn tatsächlich souverän auf.
- +Das Geplänkel zwischen Sally und Grimoire verhindert, dass die übernatürliche Düsternis ins Grimmige kippt.
- +Die Spannung baut sich sauber auf, und die Hinweise halten einen orientiert, ohne die Lösung zu verraten.
- −Mehrere Handlungsstränge werden aufgeworfen, angedeutet und dann ohne befriedigende Erklärung fallen gelassen.
- −Die Meerjungfrauen- und Schlangen-Mythologie, die der Titel verspricht, bleibt dünner, als die Rahmenhandlung nahelegt.
- +Figurenanimation, Hintergrundkunst und Sprachausgabe liegen deutlich über dem Indie-Durchschnitt und verleiten dazu, nur zum Schauen innezuhalten.
- +Der handgezeichnete Stil versprüht einen an Psychonauts erinnernden Charme, der durchgehend konsistent bleibt.
- +Der Soundtrack verdient Aufmerksamkeit für sich und dudelt nicht bloß im Hintergrund.
- −Bei manchen Spielern schwankt die Lautstärke der Sprachausgabe von Zeile zu Zeile.
- −Die nicht-englischen Übersetzungen, allen voran die chinesische, enthalten spürbare Fehler.
- +Benutzeroberfläche, Einführung und das großzügige Hinweissystem sind sauber gebaut und stören selten.
- +Bei der großen Mehrheit läuft es stabil.
- −Eine Minderheit stößt in der Kanister-Aufgabe an der Luftschleuse in Kapitel 3 auf einen Bug, der den Fortschritt blockiert.
- −Audiofehler beim Abspielen von Beweisen und Übersetzungsprobleme zwangen manche Spieler zu Behelfslösungen.
Wertung