„Verständigt euch ohne Worte, nur der Lautstärkeregler fehlt“
Das Spiel
Big Walk ist ein Online-Koop-Abenteuer von House House, dem Studio hinter Untitled Goose Game. Bis zu zwölf Freunde durchstreifen gemeinsam eine weitläufige australische Wildnis, lösen Umgebungsrätsel und erreichen Ziele, bei denen Kommunikation zählt statt Kampf. Die Werkzeuge sind der eigentliche Kern: Proximity-Voice-Chat, Walkie-Talkies, Signalpistolen, Ferngläser und ein Helm, der seinen Träger blind macht, sodass ein Partner ihn lotsen muss. Eine einzige große Karte fasst rund fünfzehn Stunden Erkundung, mit Rätseln, die sich ums Abstimmen über Distanz und ums Improvisieren von Signalen drehen, wenn Reden gerade nicht geht.
Fazit
Hier steckt ein liebenswertes, großzügiges Spiel darüber, eine Landschaft mit Menschen zu durchqueren, die man mag. Rätsel, in denen ihr einen blind geführten Freund lotst oder Anweisungen per Funk über einen Bergrücken schickt, zeigen House House von seiner charmantesten Seite. Die einzige Karte begrenzt, wie lange dieser Charme anhält, doch das größere Problem ist technischer Natur: Weil sich der Voice-Chat nicht gegen das Rauschen von Gras und Laternen ausbalancieren lässt, wird das Zentrale, nämlich die Freunde zu hören, zur mühsamen Lautstärke-Jonglage. Behebt man diesen Regler und die fehlenden Barrierefreiheit-Schalter, klettert das Spiel eine ganze Note nach oben. So wie es ist, belohnt es euch, sobald ihr die richtige Gruppe zusammenhabt. Geht nur mit dem Wissen hinein, dass zuerst der Ton gegen euch arbeitet.
Gefällt dir, wenn …
- +Ihr habt eine feste Gruppe von Freunden und wollt gemeinsam durch eine ruhige, nicht kompetitive Welt streifen.
- +Ihr mögt Rätsel, für die ihr eigene Signale und Kürzel erfindet.
- +Atmosphäre und stille Gesellschaft sind euch wichtiger als Handlung oder Herausforderung.
Nichts für dich, wenn …
- −Ihr wollt ein Spiel mit Solo-Wert oder dauerhaftem Wiederspielwert auf einer einzigen Karte.
- −Hakelige Ton-Einstellungen und fehlende Barrierefreiheit-Optionen verderben euch die Laune, bevor es losgeht.
- −Ihr braucht eine klare Geschichte, um dranzubleiben.
Wertung
- +Statt eine Lösung einfach durchzusprechen, treiben die Rätsel euch zu erfinderischer Verständigung, von Handzeichen bis zur Funkkette übers Walkie-Talkie.
- +Gewaltfreies Zusammenspiel hält die gesamte Spielschleife zusammen, und richtig lebendig wird das Spiel, wenn ihr mit einem Freund einen Notbehelf improvisiert.
- +Werkzeuge wie der Blindhelm zwingen einen Spieler, den Anweisungen eines anderen zu vertrauen, und aus einem Rätsel wird ein echtes Hin und Her.
- −Hat man das Vokabular einmal drauf, geraten die Rätsel eher leicht und berechenbar.
- −Das Klettern kann hakelig werden und frustriert mehr, als es fordert.
- +Über fünfzehn Stunden auf einer einzigen Karte, mit Rätseln, die den kreativen Einsatz des Werkzeugkastens belohnen.
- +Emergente Momente entstehen, wenn sich die Gruppe aufteilt und sich per Funk abstimmt.
- −Alles spielt auf einer einzigen Karte, und ist sie einmal abgelaufen, gibt es kaum einen Grund zurückzukehren.
- −Es funktioniert nur online mit Freunden, und nach dem Durchspielen bleibt kaum bis gar kein Inhalt übrig.
- −Für Solo-Spieler ist der Wiederspielwert eine echte offene Frage.
- +Das Worldbuilding entfaltet sich über Umgebung und Stimmung statt über Erklärtexte, und es wirkt zärtlich statt leer.
- +Für Spieler, die räumlich getrennt sind, bekommt die Wildnis echtes emotionales Gewicht, vom Sonnenaufgang am Strand bis zum gemeinsamen Sternegucken.
- −Ein klarer Handlungsstrang fehlt, sodass Spieler auf der Suche nach Plot und Figuren wenig Halt finden.
- +Soundeffekte und Animation zeigen ungewöhnliche Sorgfalt, vom windgepeitschten Gras bis zu den kleinen Interaktionen mit den Werkzeugen.
- +Die Art Direction ist warm und farbenfroh, und das australische Setting wirkt belebt.
- −Ein eigener Regler für Voice-Chat gegenüber Spiel- und Umgebungston fehlt, weshalb Mitspieler kaum zu hören sind, außer man dreht alles auf ohrenbetäubende Lautstärke.
- −Eine Verzögerung bei der Sprachaktivierung lässt Gespräche mit weit entfernten Freunden stocken und hinken.
- −Aliasing, kleinere Grafikfehler und eine schwankende Bildrate treten regelmäßig auf.
- +Läuft sauber auf Linux via Proton, und die Multiplayer-Verbindung klappt meist reibungslos.
- +Durch die Menüs navigiert man mühelos.
- −Bei der Barrierefreiheit herrscht Kargheit: kein Helligkeitsregler, kein Schalter gegen das Kopfwackeln, keine Textgrößen-Optionen, kein Bildratenbegrenzer außer V-Sync.
- −Nach einem Verbindungsabbruch mitten in der Sitzung kann das erneute Verbinden komplett scheitern, weil Lobby-Codes und Freundeseinladungen nicht auftauchen.
- −Einige Rezensenten berichten von Abstürzen, die heftig genug sind, um die GPU lahmzulegen.
- −Die Musik im Hauptmenü dröhnt deutlich lauter, als sie sollte.
Wertung