„Ein Tritt trägt die eigenwilligste Sandbox für kleines Geld“
Das Spiel
The Adventures of Sir Kicksalot ist ein First-Person-Actionspiel eines Einzelentwicklers, das sich offen an Dark Messiah of Might and Magic orientiert. Ein Immersive Sim (ein System-getriebenes Spiel, in dem man Aufgaben auf viele physisch simulierte Arten löst) lässt dich Gegner mit Schwert, Bogen, Magie oder schierer Umgebung erledigen. Die zentrale Zutat ist der Tritt: Feinde fliegen in Stachelfallen, von Klippen oder ins nächste Feuer. Dazu kommen drei Fertigkeitszweige für Nahkampf, Stealth und Zauberei sowie ein Level-Editor mit Workshop. Die Kampagne dauert je nach Spielweise vier bis sieben Stunden.
Fazit
The Adventures of Sir Kicksalot beweist, wie weit eine gut durchdachte Physiksimulation und eine einzige starke Idee tragen. Der Tritt ist nie nur Gag, sondern das Werkzeug, das jeden Raum in ein Rätsel aus Fallen und Kanten verwandelt. Der grobe Look und der teils beliebige Humor sind Nebensache neben der Freiheit, Gegner auf ein Dutzend Arten aus dem Weg zu räumen. Zwei Dinge trüben das Bild ehrlich: die kurze Kampagne und ein Speichersystem, das bei Abstürzen Fortschritt frisst. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, bekommt für unter acht Euro eine der eigenständigsten Sandbox-Ideen des Jahres.
Gefällt dir, wenn …
- +du Dark Messiah vermisst und mit rohem Look leben kannst
- +du Encounter lieber mit Umgebung und Physik als mit sauberem Nahkampf löst
- +du für unter acht Euro kein AAA-Finish erwartest
Nichts für dich, wenn …
- −dir eine lange Kampagne wichtiger ist als kreatives Herumexperimentieren
- −dich verlorener Fortschritt nach einem Absturz sofort abschreckt
- −dir klobige Modelle und Animationen den Spaß verderben
Wertung
- +Der Tritt trägt das gesamte Kampfdesign: Gegner in Stacheln oder von der Kante zu befördern, macht mehr her als jeder direkte Schlagabtausch
- +Jede Situation lässt sich über Stealth, Magie, Nahkampf oder Umgebung lösen, und alle Wege funktionieren
- +Vereisungszauber, mit dem Feinde ausrutschen und stürzen, zeigt, wie ernst die Physiksimulation genommen wird
- +Nahkampf mit Richtungsblocks und taktischem Moveset ist überraschend fordernd
- −Der direkte Nahkampf zündet weniger als der Umgebungsansatz, manche Spieler weichen ihm komplett aus
- +Die drei Fertigkeitszweige erlauben echte Build-Entscheidungen statt kosmetischer Umverteilung
- +Level lassen sich mehrfach mit unterschiedlichem Ansatz spielen, dazu Arena und ein Survivor-Modus als Prinzessin
- +Level-Editor mit Workshop hält die Tür für Nachschub offen
- −Die Hauptkampagne ist mit vier bis sieben Stunden knapp bemessen
- −Einige Level wirken repetitiv oder unsauber gebaut
- +Der absurde, selbstironische Ton passt zum Spiel und nimmt sich bewusst nicht ernst
- +Wenn der Humor sitzt, tragen Parodien und clevere Dialoge die Kampagne
- −Der Humor ist Geschmackssache und wirkt an manchen Stellen beliebig, etwa bei einer hingeworfenen Harry-Potter-Anspielung
- +Der grobe, klotzige Look wirkt für viele passend und stört die Sandbox nicht
- +Der Tritt-Sound ist ein Wiedererkennungsmerkmal und für einen Teil der Spieler das Highlight
- −Simple Modelle und Animationen wirken auf manche seelenlos statt charmant
- −Der übertriebene Tritt-Sound spaltet, nicht jeder findet ihn befriedigend
- +Steuerung und Reaktionsverhalten laufen rund, auch auf dem Steam Deck problemlos
- +Grundsätzlich stabil und ordentlich gebaut für ein Solo-Projekt
- −Das Speichersystem verliert bei Abstürzen Fortschritt und lässt kein sauberes Beenden mitten im Level zu
- −Fehlende Cloud-Saves und gelegentliche Crashes treffen einen Teil der Spieler hart
Wertung