„Wissen ist Fortschritt: kurzer Horror ohne Sicherheitsnetz“
Das Spiel
In MOLDRISE stecken Sie in einem 30-stöckigen Wohnhaus, und eine Pilzinfektion breitet sich vom Fuß bis in den Kopf aus. Eine einzige Anweisung bleibt: nach oben. Stockwerk für Stockwerk klettern Sie hinauf, sprechen mit den Nachbarn, tauschen Gegenstände ein und lösen die Botengang-Ketten, die den weiteren Aufstieg freischalten. Wer stirbt, landet wieder im Erdgeschoss, behält aber sein gesamtes Wissen. Weiß man erst, welcher Nachbar was verlangt und wo die Abkürzungen liegen, überspringt man bereits erledigte Abschnitte. Das Ganze ist ein Walking-Sim aus der Ego-Perspektive mit Survival-Horror-Anleihen und mehreren Enden, präsentiert im bewusst schmuddeligen Look der PS2-Ära. Ein kompletter Durchgang samt versteckter Geheimnisse dauert wenige Stunden.
Fazit
MOLDRISE holt viel aus einem einzigen Wohnhaus heraus. Die Nachbarn sind schräg und gut vertont, der schmuddelige PS2-Look hat echten Charakter, und das Haus so weit zu lernen, bis man die Hälfte überspringt, ist ein cleverer Antrieb für ein kurzes Spiel. Der Knackpunkt ist der Neustart nach dem Tod. Wer sich darauf einlässt, erlebt mit jedem Aufstieg mehr Spannung. Wer dagegen ankämpft, dem nutzt sich das ständige Zurücklaufen schnell ab, zumal kein Checkpoint auffängt. Zwölf Euro für ein paar Stunden mit so viel Persönlichkeit machen die Empfehlung leicht, für alle, die lieber schräg als lang mögen. Der Hinweis auf die KI-Texte bleibt ein kleines Sternchen.
Gefällt dir, wenn …
- +Sie sich gern über wiederholte Runs einen Ort zusammenreimen und mit jedem Aufstieg cleverer werden
- +Ihnen Atmosphäre und Dialoge wichtiger sind als Schreckmomente
- +Ihnen ein kompaktes Dreistundenspiel ohne Leerlauf lieber ist als zwanzig aufgeblähte Stunden
Nichts für dich, wenn …
- −verlorener Fortschritt und wiederholte Passagen Ihnen die Motivation nehmen
- −Sie in einem Horrorspiel eine Speicheroption für selbstverständlich halten
- −Sie auf Roguelite-Zufall oder einen Endlosmodus setzen, um die Runs frisch zu halten
Wertung
- +Die wissensbasierte Spielschleife zahlt sich unmittelbar aus. Kennt man erst den Wunsch eines Nachbarn oder eine versteckte Route, geht der nächste Aufstieg schneller von der Hand, und dieser Unterschied ist spürbar.
- +Das Haushalten mit der Pilzcreme erzeugt beim Aufstieg echten Druck, ganz ohne auf Schreckmomente zu setzen.
- −Das ständige Hin und Her der Botengänge wird eintönig, bevor man die Stockwerke im Kopf hat, und frühe Tode zwingen dazu, bereits gesehene Passagen erneut durchzuspielen.
- −Die Fortbewegung ist im Grunde linear. Wem das Prinzip nicht zusagt, für den steckt der zähe Rückweg fest im Design verankert.
- +Mehrere Enden, versteckte Dialoge und gut getarnte Geheimnisse belohnen einen zweiten und dritten Aufstieg.
- +Kompakt gebaut, ohne Leerlauf: Alles, was man findet, verweist zurück auf das Haus und seine Bewohner.
- −In zwei bis drei Stunden hat man das Meiste gesehen, und wer sich immer neue Runs wünscht, findet weder Zufallsfaktor noch Endlosmodus.
- −Sind die Enden einmal gesehen, liefert das feste Layout kaum einen Grund zurückzukehren.
- +Die Nachbarn sind mit echtem Humor und Eigenart geschrieben, und ihre Stimmen prägen die Spielwelt.
- +Die Hintergründe erschließen sich über Gespräche und Erkundung statt über Infoberge, und trotz der kurzen Spielzeit wirkt alles rund.
- +Der Ton bleibt gruselig und komisch zugleich, ohne in eine der beiden Richtungen zu kippen.
- −Einige Rezensenten bemängelten KI-geschriebene Passagen, und manche Figuren wirken steifer als die am besten ausgearbeiteten.
- +Die raue Art Direction im PS2-Stil ist das Highlight: unverwechselbar und über alle Stockwerke hinweg stimmig.
- +Das Sounddesign leistet die Hauptarbeit. Der Effekt beim Angeschrienwerden und die Halluzinations-Signale vermitteln die Beklemmung überzeugend.
- +Sprachausgabe und Soundtrack liegen beide deutlich über dem, was der Preis erwarten lässt.
- −Auf einigen Systemen kommt es zu Rucklern und kleineren Audiofehlern.
- +Läuft sauber, über mehrere Durchgänge hinweg wurden keine gravierenden Bugs gemeldet.
- +Die Benutzeroberfläche protokolliert Ihre Dialogentscheidungen, was zählt, wenn der gesamte Fortschritt allein aus dem eigenen Gedächtnis besteht.
- −Kein Speicher- oder Checkpoint-System. Für die einen ist das die gewollte Anspannung, für die anderen der Grund aufzuhören.
- −Die Kamerasteuerung sorgt hin und wieder für Kritik.
Wertung