„Erdrückender Bohrmaschinen-Horror, den nur die Hetzjagden bremsen“
Das Spiel
MOLE versetzt einen in die titelgebende Bohrmaschine, ein riesiges Nachkriegsgerät, das sich tief in slawische Erde gräbt. Aus der Ego-Perspektive bedient man Maschinen, repariert ausfallende Systeme, löst Rätsel und folgt den Stimmen Verstorbener immer weiter nach unten. Das Spiel setzt auf eine sogenannte Cassette-Futurism-Ästhetik, also retrofuturistische Technik mit Knöpfen, Kassetten und analogen Anzeigen, und ist als lineares, einmaliges Erlebnis angelegt. Religiöse Motive der orthodoxen Tradition und das Thema elterlicher Trauer durchziehen die Handlung. Zwischendurch unterbrechen Verfolgungssequenzen durch enge, kaum beleuchtete Gänge das ruhige Schrauben.
Fazit
MOLE versteht sein Handwerk: Das Sounddesign in dieser klaustrophobischen Bohrmaschine erzeugt eine Beklemmung, die ihresgleichen sucht, und die Geschichte über Trauer und Glaubensdogmen hallt lange nach. Das taktile Schrauben an ausfallenden Systemen trägt den ruhigen Teil mühelos, doch die Verfolgungsjagden durch dunkle Gänge zerren an den Nerven und einige Sequenzen sind länger gedehnt als nötig. Wer mit den seltenen Abstürzen leben kann, die einen schlimmstenfalls auf den Tagesbeginn zurückwerfen, bekommt einen der eindrücklichsten Industrial-Horror-Trips dieser Generation. Eine klare Empfehlung für alle, die Atmosphäre über Spielzeit stellen.
Gefällt dir, wenn …
- +du Horror magst, der auf Beklemmung und Tragik statt auf Jumpscares setzt
- +du dir eine dichte, einmalige Geschichte über Wiederspielwert vorziehst
- +dich greifbares Bedienen von Maschinen und langsames Aufdecken reizt
Nichts für dich, wenn …
- −dich präzise Verfolgungssequenzen ohne Fehlerspielraum frustrieren
- −du klare Zielmarkierungen und engmaschiges Signposting brauchst
- −dir lineare Spiele ohne Grund zum erneuten Durchspielen zu kurz greifen
Wertung
- +Jeder Schalter, jeder Bolzen und jede Reparatur am Bohrgerät fühlt sich greifbar an und sitzt fest in der Atmosphäre
- +Die Rätsel und Maschinenbedienung sind minimalistisch, aber sauber in die Horror-Inszenierung eingewoben
- +Pacing-Wechsel zwischen ruhigem Schrauben und plötzlicher Gefahr funktioniert für viele
- −Verfolgungssequenzen durch enge, im roten Notlicht kaum sichtbare Gänge erlauben keinen einzigen Fehltritt und frustrieren
- −Einige Abschnitte sind bewusst gestreckt und dauern länger, als die Erzählung trägt
- +Die Handlung verschachtelt mehrere Enthüllungen, die am Ende ineinandergreifen und zum Nachdenken zwingen
- +Wer aufmerksam auf Umgebungsdetails achtet, gräbt sich tiefer in die Hintergrundgeschichte
- −Streng linear und auf einen einzigen Durchgang ausgelegt, kaum Wiederspielwert
- −Keine mechanische Systemvielfalt, der Reiz liegt fast ausschließlich im Aufdecken der Story
- +Die Darstellung elterlicher Trauer und religiöser Dogmen trifft emotional hart
- +Environmental Storytelling belohnt genaues Hinschauen mit zusätzlichen Schichten
- +Psychologischer Horror baut auf wachsender Beklemmung und Tragik statt auf billigen Schocks
- −Manche empfinden die Erzählung als zu explizit und vorhersehbar, mit wenig Raum für eigene Theorien
- +Sounddesign zählt zum Besten, was Industrial-Horror zu bieten hat
- +Der Retro-Look und die diegetische Audio-Inszenierung erzeugen durchgehend dichte Spannung
- +Gezielter Einsatz von Notbeleuchtung lässt die Enge der Maschine erdrückend wirken
- −Keine native Ultrawide-Unterstützung trotz Release Mitte 2026
- −Vereinzelt Abstürze und Bugs trüben die ansonsten stabile Technik
- +Mechaniken erschließen sich schnell, mit genug Reibung, dass es spannend statt nervig bleibt
- +Läuft bei den meisten ohne größere Probleme beim Feinschliff
- −Schwaches Signposting lässt Spieler ratlos zurück, was als Nächstes zu tun ist
- −Abstürze setzen den Fortschritt auf den Tagesbeginn zurück, einzelne Spielstände wurden beschädigt oder lösten Softlocks aus
Wertung