„Dystopisches Bewerbungsgespräch mit Stil, dem beim zweiten Run die Luft ausgeht“
Das Spiel
Thank You For Your Application versetzt dich als frisch beförderten Junior-Interviewer in das dystopische Aeropolis des Jahres 2066. Über 30 Ingame-Tage prüfst du Lebensläufe, gleichst Bewerber gegen die Vorgaben des Konzerns ab und stellst am Ende Zu- oder Absagen aus. Zwischen den Gesprächen tauchen Empfehlungssystem, Schwarzmarkt und Leistungsnoten auf, während deine eigene Miete und Wohnsituation Druck erzeugen. Die Welt entfaltet sich über Forenposts und die Schicksale der Bewerber, und mehrere Enden hängen davon ab, wie du entscheidest. Der Vergleich zu Dokumenten-Prüfspielen liegt nahe: Du liest, gleichst ab, stemplst und trägst die Konsequenzen.
Fazit
Thank You For Your Application zieht seine Stärke aus dem Kontrast zwischen kühlem Prüf-Alltag und den menschlichen Geschichten, die zwischen den Lebensläufen durchsickern. Der Soundtrack und die Pixelart tragen die Konzern-Dystopie überzeugend, und wer Entscheidungen mit Folgen mag, findet hier reichlich davon. Ärgerlich wird es, wenn man für neue Enden dieselben Bewerber und dieselben 30 Tage ohne Vorspulen erneut durcharbeitet, während einige Erzählfäden einfach abreißen. Für den Preis eine solide Empfehlung an Fans des Genres, mit klar sichtbarem Deckel beim Umfang.
Gefällt dir, wenn …
- +du dokumentenlastige Prüfspiele mit moralischen Entscheidungen magst
- +dich dystopisches Worldbuilding über Nebentexte und Forenposts reizt
- +du mehrere Enden bewusst nachjagst
Nichts für dich, wenn …
- −dir kurze Spielzeit und wiederkehrende Bewerber beim Zweitrun den Reiz nehmen
- −du eine durcherzählte Haupthandlung ohne offene Fäden erwartest
- −dich das erneute Absolvieren aller 30 Tage ohne Vorspulen abschreckt
Wertung
- +Der Loop aus Gespräch führen und Unterlagen abgleichen läuft flüssig und ist schnell verständlich
- +Neue Mechaniken kommen tröpfchenweise über die Tage dazu und halten die Prüfarbeit in Bewegung
- +Jeder Pfad und jede Konsequenz einer Entscheidung wird beim Ausprobieren spürbar
- −In längeren Durchläufen flacht die Routine ab, die Arbeit fühlt sich irgendwann wie echte Büroarbeit an
- −Die tägliche Wiederholung derselben Handgriffe schlägt manchen früh auf die Nerven
- +Mehrere Enden und versteckte Routen laden zum erneuten Durchspielen ein
- +Ein wahres Ende belohnt Spieler, die verschiedene Entscheidungen austesten
- −Der Gesamtumfang ist knapp, für den Preis empfinden viele den Inhalt als zu dünn
- −Beim Wiederspielen tauchen weitgehend dieselben Bewerber auf, das schwächt den Reiz neuer Runs
- −Für andere Enden muss man die kompletten 30 Tage erneut absolvieren, ohne Vorspul- oder Skip-Optionen
- −Sonderfiguren und Nebenstränge sind zu selten, viele Tage bleiben reine Fließbandarbeit
- +Die dystopische Welt erschließt sich unaufdringlich über Bewerbergeschichten und Forenbeiträge
- +Der schwarze Humor und die Anspielungen auf reale Ausbeutung im Job erzeugen echte Empathie
- +Das wahre Ende trifft emotional und bleibt hängen
- −Die Haupthandlung bleibt unterentwickelt, viele Figurenschicksale enden offen
- −Manche Twist-Enden passen erzählerisch nicht zu dem, was vorher aufgebaut wurde
- −Ein Teil der angelegten Andeutungen läuft ins Leere, das wirkt wie ein halbfertiges Skript
- +Pixelart und Farbpalette treffen die dystopische Stimmung sauber
- +Der Lofi-Soundtrack trägt die Atmosphäre und passt zum Setting
- +Starke Art Direction, die die Welt greifbar macht
- −Schriftart und Lesbarkeit werden vereinzelt bemängelt
- +Das Interface wirkt modern und aufgeräumt
- +Die eigentliche Interview-Bedienung reagiert präzise und angenehm
- −Bewerber werden nur über Codes wie A02 oder K88 geführt, das erschwert den Überblick
- −Die Menüführung hakt, besonders das Scrollen im Wohnungsbildschirm
- −Neue Mechaniken werden zu knapp erklärt, der Einstieg in Funktionen wie das Empfehlungssystem ist zäh
Wertung