„Klick dich durch fremde Spaziergänge, bis der Abspann alles verbindet“
Das Spiel
Walk ist ein winziges Klick-und-Zieh-Spielzeug von Entwickler Bilge, das man in rund 30 bis 40 Minuten durchspielt. Zu Beginn liegt ein größtenteils leeres Raster aus Feldern vor dir; jedes davon reagiert auf Klicken und Ziehen, und nach einer festgelegten Zahl an Wiederholungen schaltet sich das nächste Minispiel daneben frei. Jedes Feld ist eine kleine Szene aus gewöhnlichen Spaziergängen: Straßen, Gegenstände, Momente. Die Struktur bedient sich bei Incremental-Games und Mikro-Interaktionen im Stil von WarioWare, und zum Schluss verknüpft ein Ende das Ganze mit den eigenen Fotografien des Entwicklers.
Fazit
Walk weiß ganz genau, wie klein es ist, und gibt sich nie anders. Die Klick-und-Zieh-Felder fühlen sich unter den Fingern gut an, Ton und Grafik verbinden sich zu etwas wahrhaft Beruhigendem, und die Auflösung über die Spaziergänge des Entwicklers verleiht dem Ganzen einen leisen Sinn. Gegen Ende geht ihm ein wenig die Luft aus, und zurückzukehren gibt es nichts, doch bei dieser Länge und diesem Preis sind das Fußnoten. Wer eine warme halbe Stunde sucht, gibt sein Geld hier gut aus.
Gefällt dir, wenn …
- +du eine ruhige, in sich geschlossene halbe Stunde suchst statt eines Systems, in das du dich vertiefst
- +dir griffige, verspielte Interaktionen und befriedigendes Klangfeedback Spaß machen
- +dich ein persönliches, kleines Projekt ohne großen Anspruch mehr anspricht als schierer Umfang
Nichts für dich, wenn …
- −du mechanische Tiefe brauchst oder einen Grund, nach einer Sitzung zurückzukehren
- −sich kurze Spielzeiten für dich unabhängig vom Preis nach schlechtem Gegenwert anfühlen
- −minimalistische, abstrakte Optik dich kaltlässt
Wertung
- +Die Klick-und-Zieh-Schleife versteht sich sofort von selbst, ganz ohne Tutorial, und jedes neue Feld bietet eine frische kleine Interaktion zum Ausprobieren.
- +Die Freischaltbedingungen setzen gerade genug Widerstand, damit sich das nächste Minispiel verdient anfühlt und nicht wie von selbst aufgedeckt.
- −Auf der Zielgeraden wiederholen sich die Interaktionen, und manche frisch freigeschalteten Felder kommen kaum zum Einsatz.
- +Die schrittweise Freischaltstruktur füllt die gesamte Spielzeit, ohne durchzuhängen.
- +Bewusst fokussiert: Das Spiel tut eine kleine Sache und hört auf, bevor sich die Idee abnutzt.
- −Nennenswerte mechanische Tiefe gibt es praktisch nicht, und ist das Raster einmal gefüllt, fehlt jeder Grund zurückzukehren.
- −Eine Sitzung, und das Spiel ist durch; Wiederspielwert existiert so gut wie keiner.
- +Das Thema, die kleinen Alltagsdinge wahrzunehmen, vermitteln allein die Interaktionen, ganz ohne Textbelehrungen.
- +Die Auflösung am Schluss, dass die Minispiele aus echten Spaziergängen und Fotos des Entwicklers stammen, rückt alles zuvor Geklickte in ein neues Licht und berührt mit echter Wärme.
- −Die emotionale Wirkung hängt stark an dieser Schluss-Auflösung; davor bleibt der rote Faden blass.
- +Ein markanter, klotziger und handgemachter Grafikstil mit kräftigen Farben, der über alle Felder hinweg stimmig bleibt.
- +Umgebungsgeräusche und das griffige Klick-Feedback sorgen für einen Großteil der entspannenden Wirkung, und schon das Bedienen der Oberfläche macht Freude.
- −Wer optisch mehr Substanz sucht, wird den minimalistischen Stil als dürftig empfinden.
- +Die Steuerung ist intuitiv, und das Tempo weiß genau, wann Schluss sein muss.
- +Läuft unter Linux über Proton sauber und unterstützt den Steam Controller; in den Reviews tauchten keine Bugs auf.
- −Nichts Nennenswertes; der Umfang ist so klein, dass kaum etwas schiefgehen kann.
Wertung