„Treffsicher im Kugelhagel, fragwürdig im Fundament“
Das Spiel
„Touhou Koumakyou: New Classic“ ist ein komplettes Remake des Doujin-Spiels „The Embodiment of Scarlet Devil“ von 2002, eines Grundpfeilers des Bullet-Hell-Genres. Als Schreinmaid Reimu Hakurei oder Magierin Marisa Kirisame fliegt ihr durch sechs Stages, um den Vorfall um den scharlachroten Nebel aufzuklären. Spielerisch heißt das: verschlungene, bildschirmfüllende Danmaku-Muster ausweichen, Feen abschießen und sich mächtigen Bossen stellen. Diese Neuauflage modernisiert das Original mit HD-Grafik, einem komplett neu arrangierten Soundtrack und Komfortfunktionen nach heutigem Standard.
Fazit
Eigentlich müsste das die triumphale Rückkehr eines geliebten Klassikers sein. Das Herzstück, die Bullet-Hell-Action, ist nach wie vor messerscharf, und die klugen Komfortverbesserungen machen diese Fassung spielerisch zur besten Wahl. Leider wird die Freude daran durch die Art der Zusammenstellung stark getrübt. Der nicht offengelegte Einsatz generativer KI wirft zusammen mit den Vorwürfen unbezahlter Fan-Arbeit einen langen Schatten auf das Projekt. So bleibt trotz aller spielerischen Stärken ein Remake, dessen Fundament beschädigt wirkt.
Gefällt dir, wenn …
- +du die Reihe gut kennst und einen Klassiker mit modernem Komfort noch einmal spielen willst.
- +du ein pures, forderndes Bullet Hell suchst und über Kontroversen rund um die Produktion hinwegsehen kannst.
Nichts für dich, wenn …
- −nicht offengelegte generative KI in kommerziellen Projekten für dich eine klare Grenze ist.
- −du von einem PC-Port Standardfunktionen wie vollständig frei belegbare Tasten erwartest.
- −dir die Produktionsethik eines Spiels wichtig ist, einschließlich Nennung der Beteiligten und Bezahlung.
Wertung
- +Die Bullet-Hell-Action fühlt sich geschmeidig und reaktionsschnell an und bewahrt das Spielgefühl des Originals überzeugend.
- +Komfortfunktionen wie eine sichtbare Hitbox und eine Auto-Sammellinie machen das Geschehen deutlich besser lesbar.
- +Ein Modus mit „unendlichen Leben“ bietet Neulingen einen zugänglichen Einstieg, um das Spiel auch wirklich bis zum Ende zu sehen.
- −Selbst mit diesen Hilfen steigt der Schwierigkeitsgrad für Genre-Neulinge immer noch steil an.
- −Dass sich einzelne Non-Spell-Abschnitte der Stages nicht gezielt üben lassen, kann beim fokussierten Verbessern frustrieren.
- +Mehrere Schwierigkeitsgrade und zwei spielbare Figuren sorgen für spürbaren Wiederspielwert.
- +Ein eigener Spell-Practice-Modus erlaubt es, die härtesten Muster des Spiels gezielt zu trainieren.
- +Für Puristen ist auch eine nachgebildete Fassung der Originalversion von 2002 enthalten.
- −Dass das dynamische „Rank“-System des Originals entfernt wurde, macht den Schwierigkeitsgrad statischer und für manche Spieler unerwartet sogar härter.
- +Für langjährige Touhou-Fans weckt das Spiel die Nostalgie der Reihe sehr wirkungsvoll.
- +Die ikonischen Figuren und die leichte Geschichte schaffen eine einprägsame, eigenständige Atmosphäre.
- −Die Handlung bleibt knapp und liefert, wie in diesem Genre üblich, vor allem den Rahmen für die Action.
- +Neu gezeichnete Charakterporträts und Boss-Sprites sind scharf und bleiben dem ursprünglichen Stil treu.
- +ZUNs vollständig neu arrangierter Soundtrack interpretiert die klassischen Stücke frisch und auf hohem Niveau.
- −Ein nicht abschaltbarer Filter verwischt die Pixelgrafik, schluckt Details und arbeitet gegen die angestrebte Ästhetik.
- −Einige der neuen Musikarrangements reichen nicht an die beliebten Originale heran.
- +Auf moderner Hardware läuft das Spiel flüssig und unterstützt Linux über Proton schon direkt ab Werk ordentlich.
- +Es ist die erste offizielle englische Veröffentlichung des Spiels und damit weltweit deutlich zugänglicher.
- −Für die Hintergrundgrafiken kommt nicht offengelegte generative KI zum Einsatz, wofür klare Artefakte wie verformte römische Ziffern sprechen.
- −Vorwürfe unbezahlter Fan-Übersetzungsarbeit und die nicht ausgewiesene Nutzung eines von Fans erstellten Decompiles überschatten die Veröffentlichung.
- −Grundlegende PC-Optionen wie frei belegbare Tastatursteuerung und eigener TATE-Modus-Support fehlen.
Wertung