„Wuxia-Sandbox mit gewaltigem Build-System und feindseligem Einstieg“
Das Spiel
The Scroll of Taiwu versetzt einen als Erben des Taiwu-Clans in ein alternatives, mythologisch aufgeladenes Altchina. Über mehrere Generationen hinweg baut man einen Charakter auf, lernt Kampfkünste und Kultivierungsmethoden, bewirtschaftet ein Dorf und navigiert ein soziales Netz aus Sekten und autonomen NPCs. Tod führt zu Reinkarnation und Neustart, sodass jeder Run an die Vorgänger anknüpft. Kampf, Anbau, rhetorische Streitgespräche und ein Grillen-Kampf-Minispiel greifen ineinander, ohne dass das Spiel viel davon erklärt.
Fazit
Wer sich in das verschachtelte System aus Funktionstechniken, Geheimschriften und Builds einarbeitet, findet eine der eigenwilligsten Sandboxen überhaupt, in der das Tüfteln am stärksten Charakter wirklich trägt. Der Preis dafür ist brutal: ein Interface ohne Mitleid, ein quasi nicht vorhandenes Tutorial und eine Hauptgeschichte, die der versprochenen Freiheit ständig in die Quere kommt. Acht Jahre Entwicklung haben enorme Tiefe gebracht, aber die Mauer davor schreckt jeden ab, der nicht zu Guides und Mods greift.
Gefällt dir, wenn …
- +du gern an Builds aus Funktionstechniken und Geheimschriften tüftelst
- +dich ein verzahntes Generationen- und Reinkarnationssystem über viele Runs reizt
- +du dir Tiefe selbst erarbeitest, auch über Guides und Mods
Nichts für dich, wenn …
- −du eine klar geführte Hauptgeschichte einer offenen Sandbox vorziehst
- −du erwartest, dass ein Spiel dich von selbst einarbeitet
- −dich teure Reinkarnationskosten nach dem Tod eher ausbremsen als motivieren
Wertung
- +Kampf, Anbau, rhetorische Streitgespräche und Grillen-Minispiel greifen nahtlos ineinander
- −Hauptgeschichte arbeitet aktiv gegen die versprochene Sandbox-Freiheit
- −Abstürze in Encounter-Kämpfen beeinträchtigen das Kampfsystem
- +Build-Bastelei aus Funktionstechniken und Geheimschriften belohnt tiefes Einarbeiten enorm
- +Generationen- und Reinkarnationsmechanik verzahnt die Runs miteinander
- +Acht Jahre kostenlose Updates schaffen enormen Umfang und Langzeitwert
- −Systeme verschränken sich zu einem unverständlichen Geflecht ohne erkennbares Zusammenspiel
- −Hohe Reinkarnationskosten untergraben die Motivation, nach dem Tod weiterzumachen
- −Große Karte besteht vor allem aus austauschbaren Stationen, die Welt wirkt oberflächlich
- +Fünfzehn Sekten und hunderte NPCs erzeugen echten Maßstab in der Wuxia-Welt
- −Hauptgeschichte ist dünn, vernebelt sich selbst und kollidiert mit der Sandbox-Freiheit
- −NPCs funktionieren eher als wandelnde Loot-Boxen, ihr Leben bleibt oberflächlich
- +Artrichtung und Charakterporträts treffen den altchinesischen Ton treffend
- +Musik untermalt die Wuxia-Stimmung passend
- −Neuer, flach gehaltener UI-Look verschiebt den Stil in Richtung Mobile-Optik und wirkt fehl am Platz
- −Interface gilt selbst bei Wohlwollenden als kaum benutzbar
- −Tutorial fehlt faktisch, ohne Community-Guides bleibt das Spiel undurchschaubar
- −Bezahlte DLC parallel zum Release hinterlässt einen schalen Beigeschmack
Wertung