„Der Detektiv und seine zwölf streitenden Stimmen“
Das Spiel
Du bist ein amnesischer Detektiv in der Hafenstadt Revachol und musst einen Mordfall aufklären. Deine Fähigkeiten – Intellekt, Psyche, Motorik und Physik – sind eigenständige Persönlichkeiten, die dir während Gespräche und Handlungen konkurrierend oder unterstützend einflüstern. Du bewegst dich durch die Stadt, führst Dialoge, sammelst Hinweise und entscheidest durch deine Wahlen und Skill-Checks, wie sich der Fall entwickelt und welcher Mensch du wirst.
Fazit
Disco Elysium baut aus ein paar heruntergekommenen Straßen und einem Skillsystem im Kopf eines Säufers das dichteste Rollenspiel seit Jahren. Kein Kampf, keine Action, nur Reden, Würfeln und Entscheiden, und genau das zieht so unwiderstehlich. Wer Text als Last empfindet, wird hier nicht warm. Alle anderen finden den Maßstab, an dem sich erzählerische RPGs messen müssen.
Gefällt dir, wenn …
- +du Reden, Würfeln und Entscheiden einem Kampfsystem vorziehst
- +dich konkurrierende Innenstimmen mehr reizen als klassische Mechanik
- +du verschiedene Builds und politische Haltungen über mehrere Durchläufe austesten willst
Nichts für dich, wenn …
- −du seitenlanges Lesen als Last empfindest
- −du folgenreiche Entscheidungen statt vor allem geprägter Dialoge erwartest
- −dich ein zäher, textlastiger Einstieg abschreckt
Wertung
- +Skillsystem, bei dem deine Eigenschaften als eigenständige Stimmen konkurrierend oder unterstützend einflüstern und deine Handlungen lenken
- +Würfelproben und Skill-Checks durchdringen jede Interaktion und machen selbst banale Aufgaben zu kleinen Theaterstücken
- −Die ersten beiden Tage starten zäh und überfordern mit Namen und Textmengen
- +Thought Cabinet und 24 streitende Innenstimmen schaffen eine Tiefe, die kein klassisches Kampfsystem bräuchte
- +Unterschiedliche Builds, politische Haltungen und dominante Innenstimmen offenbaren bei weiteren Durchläufen erheblich mehr Inhalte
- +Für knapp 38 Euro zahlreiche Stunden dichtes Rollenspiel mit signifikantem Umfang
- −Wer keine Lust auf seitenlanges Lesen hat, langweilt sich schnell zu Tode
- −Manche Entscheidungen wirken folgenreicher, als sie am Ende tatsächlich sind
- +Beste Schreibe, die ein Videospiel je gesehen hat, macht den Stil zur Substanz und umgekehrt
- +Vollständige Vertonung im Final Cut trägt alle Figuren von Kim Kitsuragi bis zur kleinsten Nebenrolle
- +Dialoge und Entscheidungen prägen, welcher Mensch du wirst und wie sich der Mordfall entwickelt
- +Expressionistischer Malstil ist wiedererkennbar und gibt Revachol eine verwaschene, eigenständige Schönheit statt Realismus
- +Melancholischer Soundtrack legt sich über die Stadt und bleibt im Gedächtnis
- +Technisch sauber und stabil
- −Jüngster Patch brachte vor allem eine störende Werbeeinblendung im Hauptmenü
Wertung